Brutalismus in Berlin

Brutalismus in Berlin - Das Corbusierhaus Brutalismus in Berlin - Das Corbusierhaus

Brutalismus, diesen Architekturstil mag man entweder überhaupt nicht oder man findet ihn beeindruckend und erhaltenswert. Die in diesem Stil entstandenen Bauten wirken auf die meisten Betrachter abstossend, hart und eben brutal. Die Bezeichnung „Brutalismus“ kommt aber nicht von der rauhen Erscheinungsweise, sondern bedeutet im französischen „Béton brut“, „roher Beton“. Die Sichtbarkeit des Baustoffes ist also das entscheidende Kriterium des brutalistischen Baustils, der von den 50iger Jahren bis hin zu den 70iger Jahren seine Blütezeit erlebte. Nichts sollte hinter Verkleidungen versteckt werden, das pure Baumaterial muss zu sehen sein. In heutiger Zeit wird dieser Baustil als Bausünde bezeichnet, sicher nicht die einzige der letzten Jahrzehnte.

In Berlin gibt es zirka sechzehn Bauwerke, die dem Brutalismus zuzurechnen sind. Das für die meisten Betrachter wohl düsterste Bauwerk ist der „Mäusebunker“, das Zentrale Tierversuchslabor der Freien Universität Berlin. Das vom deutschen Architekten Gerd Hänska entworfene Bauwerk wurde 1982 eröffnet. Das massive Gebäude weckt Assoziationen an ein Schlachtschiff aus einem Science Fiction-Film. Es ist heute, bedingt durch eine Asbestverseuchung, ein Sanierungsfall und vom Abriss bedroht.

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Brutalismus in Berlin - Zentrales Tierversuchslabor der FU

Brutalismus in Berlin – Zentrales Tierversuchslabor der FU

Beispielhafte Bauten in Berlin

Die ehemalige Tschechische Botschaft in der Wilhelmstraße 44 stammt vom tschechischen Architekten-Ehepaar Věra und Vladimír Machonin in Zusammenarbeit mit Klaus Pätzmann und wurde 1974 bis 1978 gebaut. Das Gebäude sieht unnahbar wie eine Festung oder ein Raumschiff aus. Es bekam schnell den Spitznamen „Ufo“. Da es seit Jahren nicht mehr als Botschaft genutzt wird, ist die Zukunft des Hauses höchst ungewiss, es droht eventuell der Abriss.

Brutalismus in Berlin - Ehemalige Tschechische Botschaft

Brutalismus in Berlin – Ehemalige Tschechische Botschaft

Die katholische Kirche St. Agnes in Berlin Kreuzberg stammt von Werner Düttmann. Sie wurde 1969 fertiggestellt. Seit 2004 wurden in der Kirche keine katholischen Gottesdienste mehr abgehalten. Später wurde sie an die evangelische Freikirche vermietet. Nach dem Verkauf 2011 pachtete sie der Galerist Johann König. St. Agnes wird heute nach dezenten Umbauten als eindrucksvolle Kunstgalerie genutzt.

Brutalismus in Berlin - Ehemalige Kirche St. Agnes in Kreuzberg

Brutalismus in Berlin – Ehemalige Kirche St. Agnes in Kreuzberg

Brutalismus in Berlin - Galerie in St. Agnes

Brutalismus in Berlin – Galerie in St. Agnes

Das Corbusierhaus

Das 1956 bis 1958 zur Interbau nach Plänen von Le Corbusier gebaute Wohnhaus an der Flatowallee galt damals als wegweisendes Bauprojekt. Insgesamt über 500 Wohnungen auf 17 Geschossen entstanden in grüner Wohnlage. Im Haus gab es Einkaufsläden, ein eigenes Postamt, ein eigenes Kraftwerk, also eine kleine Stadt in einem Haus. Das man Jahrzehnte später solche riesigen Wohnmaschinen gar nicht mehr so toll fand, gehört zur Zeitentwicklung. Corbusier selbst distanzierte sich wegen vieler Bauabweichungen die er hinnehmen mußte von seinem Haus. Er selbst sah sich übrigens nicht als Architekt des Brutalismus.

Brutalismus in Berlin - Das Corbusierhaus

Brutalismus in Berlin – Das Corbusierhaus

Abriss droht so manchem Gebäude

Viele der brutalistischen Bauten in aller Welt kommen nun langsam in die Jahre und es droht ihnen Verfall oder Abriss. Richtig finden das die Gegner dieser Architektur, allen voran Prinz Charles, der in den Medien folgendermaßen zitiert wird: „Brutalistische Bauten habe mehr Schaden angerichtet als der Zweite Weltkrieg“. Doch die Zahl der Architekturfans wächst, die sich für eine Erhaltung der Bauwerke des Brutalismus einsetzen. Vor allem im Internet organisieren sich die Fans dieses Baustils.

Das Deutsche Architekturmuseum hat 2015 in Zusammenarbeit mit der Wüstenrot Stiftung ein Projekt mit dem Titel „#SOSBRUTALISM“ ins Leben gerufen. Mit dessen Hilfe soll eine Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum vorbereitet werden, die einen weltweiten Überblick über die Architektur des Brutalismus ermöglicht und sich für dessen Erhaltung einsetzt.

Brutalismus in Berlin - Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Brutalismus in Berlin – Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Brutalismus in Berlin - Institut für Hygiene und Umweltmedizin Detail

Brutalismus in Berlin – Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Quellen und Links zum Thema:

Wikipedia, Spiegel Nr. 47/1967, Tagesspiegel 27.03.2009,

#SOSBRUTALISM

Brutalismus in Berlin

Wüstenrot Stiftung Rettet die Betonmonster