Blisse 14
Großzügiges Ambiente im Bauhausstil
Stilvoll in der Blissestraße
(be) Einst war es das erste behindertengerechte Cafe der Stadt, hier trafen sich Menschen mit und ohne Behinderung. Das in die Jahre gekommene Blisse 14 mußte vor einigen Jahren aus wirtschaftlichen Gründen schließen und ist jetzt wieder mit neuem Konzept und modern gestalteten Gasträumen eine feste Größe im Wilmersdorfer Kiez. In stilvollem Ambiente bietet man heute regionale Küche mit einem Hauch Exotik und das zu absolut zivilen Preisen. Ein Besuch im Restaurant Blisse 14.
Interview mit Restaurantleiter Heiko W. Großer
Herr Großer, die Einrichtung Blisse 14 gibt es seit dreißig Jahren. Können Sie uns etwas über Geschichte und Konzept erzählen?
Dreißig Jahre heißt ja, das unsere Vorreiter vor dreißig Jahren hier Geschichte geschrieben haben. Betroffene, Menschen mit Benachteiligung haben hier das erste barrierefreie Cafe oder Restaurant aufgebaut. Als Treffpunkt für sich selber, aber auch Freunde und Bekannte, letztendlich aber auch als öffentlichen Raum zur Begegnung mit Menschen mit und ohne Behinderung. Es gab damals erstmalig so ein Projekt in Eigenregie. Sie hatten Unterstützung der Fürst Donnersmarck Stiftung, die als wohlwollender Raumgeber zur Verfügung stand. Das Konzept war erfolgreich im Bereich der Integrationsarbeit, dem sich Näherkommen von Menschen mit und ohne Behinderung. Letztendlich sind sie aber Opfer von Streichungen geworden. Es gab zwischendurch auch mal Trägerwechsel, aber letztendlich scheiterte das Projekt. Es lag sicherlich auch mit daran, dass in das Haus nichts investiert wurde. Man hat sich nicht an neue Gastronomie getraut, auf das Alte gesetzt. Ich glaube schon, dass man den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt nicht geschafft hat.
Auch vom Veranstaltungskonzept her gab es Schwächen?
Genau, man hatte ja sehr viel Wert auf Selbsthilfearbeit gelegt und aus meiner Sicht wenig außenwirksames gemacht und so die Zeit wohl nicht ganz verstanden. Gerade im Hinblick auf die fehlenden Zuwendungen muss man einfach sagen, dass eine wirtschaftliche Führung nicht möglich war. Das Blisse 14 wurde dann geschlossen, die Fürst Donnersmarck Stiftung hat fast zwei Jahre lang einen neuen Betreiber gesucht, der sich darauf einlässt, das Haus mit einem ähnlichen Konzept weiterzuführen. Aber auch mit dem Wissen, es gibt dafür kein Geld. Es brauchte einen Betreiber, der integrativ arbeitet und sich zutraut, so ein Haus auf den ersten Arbeitsmarkt zu setzen und ohne Subventionen am Markt zu etablieren. So ein Betreiber wurde mit der coop-Dienstleistungsgesellschaft gefunden. Wir sind ein integrativ arbeitendes Unternehmen, wir haben fünfzig Prozent Menschen mit Behinderung im Team.
Konzeptionell haben wir uns an der alten Blisse 14 orientiert, wir haben viel Selbsthilfegruppenarbeit im Haus, wir sind zu hundert Prozent barrierefrei. Wir ergänzen aber das alte Konzept durch Marktgesetze mit anderer Außenwirkung und einem anderen Marketing. Wir haben im ersten Jahr nach der Eröffnung acht mal unser Konzept radikal geändert. Wir müssen immer den Spagat schaffen, auch Geld zu verdienen. Wir haben starke Partner an unserer Seite, wieder die Fürst Donnersmarck Stiftung als Geber des Raumes, den wir gepachtet haben. Wir haben die Nordberliner Werkegemeinde, die in Berlin einer der größten Betreiber von Behindertenwerkstätten ist, sowie die Lankwitzer Werkstätten. Maler und Gartenarbeiten in der Blisse 14 wurden so erledigt. Diese Partner sind aber auch mit Gesellschafter und erwarten also auch einen Rückfluss mit entsprechender Rendite. Wir sind nach meiner Einschätzung aber jetzt nach zwei Jahren auf dem richtigen Weg.
Der ruhige Hofgarten des Blisse 14
Wie nehmen Ihre Besucher die Blisse 14 war?
Da waren wir überrascht nach dem ersten Jahr. „Das ist nicht mehr unsere Blisse 14“ sagten viele der alten Stammgäste nach einem kurzen Besuch in den neugestalteten Gasträumen. Konzept, Architektur und Optik sind eben jetzt ganz anders. Wir sind Restaurant und nicht mehr Cafe mit Billardtisch, wir legen schon Wert auf den gastronomischen Teil. Wir haben konsequent diesen Bauhausstil entwickelt, der Kunst und Weite im Raum zulässt.
Das heißt, Sie müssen sich ihr Publikum völlig neu erobern?
Ja, die früheren Besucher wollen uns nicht mehr und Menschen ohne Behinderung hier aus dem Wohngebiet vermuteten am Anfang nicht mehr den alten Ansatz der Blisse 14.
Seit einem dreiviertel Jahr merken wir aber, das sich ein Stammpublikum entwickelt von Menschen mit und ohne Behinderung. Durch unsere Veranstaltungen sehen wir auch immer wieder neue Gäste, die dann auch wiederkommen. Wir bemerken eine andere Verankerung der Blisse 14 hier im Wohngebiet als früher.
Kommen wir zu dem, was ich die 3K nennen möchte: Kunst, Kleinkunst und Kulinarisches.
Ja, es war auch Konzept der alten Blisse, Künstlern Raum zu geben, beispielsweise in Ausstellungen. Der Schwerpunkt lag auf behinderten Künstlern, die wenig Möglichkeiten in der Stadt hatten. Heute wechseln wir alle zwei Monate die Ausstellungen, haben behinderte und nichtbehinderte Künstler. Im Moment haben wir eine sehr schöne Ausstellung eines nichtbehinderten spanischen Künstlers, der im Bauhausstil arbeitet, was sehr schön zum Haus passt. Wir versuchen so alle zwei Monate unseren Raum zu ändern und wieder interessant zu machen. Das zweite K die Kleinkunst manifestiert sich in unseren „Stilbruch“-Veranstaltungen, die wir einmal im Monat anbieten als eine Weiterentwicklung des alten Jazzbrunch. Stilbruch heißt nichts anderes als Berliner Kleinkünstler treffen auf das Küchenteam. Kabaret, Musik, Literatur, Gesang immer in Kombination mit Essen. Das heißt unser Küchenteam kocht für diesen Anlass ein einmaliges Essen. In diesem Essen tauchen teile des Programms wieder auf. Entweder sind es Lieblingsspeisen des Künstlers oder etwas von dem im Programm die Rede ist. So versuchen wir also eine kulinarische Umsetzung. So entsteht ein ca. vierstündiges Programm mit zwei mal Essen. Bei einem Ticketpreis von 15 Euro ist das durchaus etwas, was man sich leisten kann. Wir nehmen nie mehr als 7o Gäste. Die Veranstaltungen werden sehr gut angenommen.
Das dritte K ist das Kulinarische. Hier haben wir am meisten ausprobiert. Alles steht und fällt mit der Küche. Und wir haben jetzt in Roger Pistor einen Küchenchef gefunden, der genau das verkörpert, was wir gesucht haben. Nämlich einen Stil, der sich dem Crossover verschrieben hat. Klassische regionale Küche, aber immer mit einem Hauch Exotik. Man kann zum Beispiel eine Rinderroulade so machen wie wir sie kennen, man kann sie aber auch mit asiatischen Gewürzen verändern. Crossover zieht sich konsequent durch unser Angebot. Wir haben jeden Tag einen Business-Lunch für 6,50 Euro mit drei Gängen.
Zu Ostern 2011 haben wir eine komplett biologisch orientierte Küche angeboten und damit ein besonderes Experiment gewagt. Wir würden gerne die ganze Karte auf Bio umstellen, doch leider ist das in unserem Preissegment nicht zu realisieren. Wir planen aber für die Sommerkarte eine Zusatzkarte mit Bioschwerpunkt. Es ist in diesem Zusammenhang für uns als Gastronomen auch spannend, die Regionalität auch mehr zu entwickeln.
Nachdem wir bereits über das Essen gesprochen haben, stellen Sie doch bitte Ihren Küchenchef vor
Seit einem Jahr ist das Roger Pistor. Er hat eine ganz klassische Ausbildung als Koch, hat auch n der Sterneküche gearbeitet. Dann ist er für einige Jahre komplett aus der Gastronomie ausgestiegen und hat als Tauchlehrer gearbeitet. nach fünf Jahren Vagabundenleben ist er mit Eindrücken aus anderen Küchen der Welt zurückgekommen. Dann ist er in die Berufsausbildung von benachteiligten Jugendlichen gegangen. hat also Jugendliche ausgebildet. Hat für einen freien Bildungsträger gearbeitet. Nun ist er bei uns und kann unserer Küche seine eigene Handschrift verleihen.
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag von 9.30h bis 22h
Sonntag und an Feiertagen von 11 - 17h
Samstags - "blisse14 - Ihr Privatrestaurant"
An den Samstagen öffnen wir unser Haus ausschließlich & exklusiv für Ihre private Feier oder Ihr Firmenevent von 30 - 100 Personen. Sie suchen ein exklusives Location für Ihre Veranstaltung? Kontaktieren Sie uns, wir beraten Sie ganz individuell! Bei diesem Angebot erheben wir keine Mehrkosten für Raum und Personal.
Telefon 0 30 – 89 73 13 10 Fax 0 30 – 89 73 13 09 www.blisse14.de
Frühstücksbrunch am Sonntag

