Berlin mit dem Rad

Berlin mit dem Rad

Mit dem Rad unterwegs im Berliner Tiergarten

Radmetropole Berlin

(btm/be) Die Hauptstadt entwickelt sich immer mehr zur Radfahrerstadt. Hohe Spritpreise und chronisch verstopfte Straßen fördern diesen Trend. In Berlin ist das Zweirad eine echte Alternative zum Auto und zu den öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Anteil des Radverkehrs stieg in den vergangenen Jahren weiter an und liegt jetzt bei 15 Prozent – täglich sind rund 500.000 Fahrradfahrer in Berlin unterwegs. Dies liegt besonders an der stetig zunehmenden Attraktivität des Berliner Fahrradwegenetzes. Und bis Ende 2010 will der Berliner Senat 56 neue Radwege und Radfahrspuren bauen. Der Senat möchte mit diesen Maßnahmen die Lebensqualität in Berlin erhalten und möglichst noch verbessern.

Damit wird es auch für Touristen immer reizvoller, bei ihrer Sightseeing-Tour kräftig in die Pedale zu treten. Größere Entfernungen wie etwa zwischen Brandenburger Tor und Rotem Rathaus lassen sich auf einem bequemen City-Bike spielend und ohne pflastermüde Füße überwinden. Auch Spritztouren durch den Tiergarten, Berlins grüne Lunge, oder zu einem der zahlreichen Seen im Stadtgebiet haben ihren Reiz. Zahlreiche Rad-Verleihstationen stehen Radfahrern über die Stadt verteilt zur Verfügung, die meisten in Mitte (z.B. Bahnhof Friedrichstraße), Kreuzberg, Friedrichshain oder in der Nähe des Bahnhofs Zoologischer Garten. Die Leihgebühr beträgt rund zehn Euro pro Tag – je nachdem, ob man für seine Erkundungstouren „per pedales“ ein einfaches Drei-Gang-Rad oder ein sportliches Mountainbike besteigen will. Und das Berliner Hotel Gates stellt seinen Gästen sogar kostenlos moderne und gewartete Fahrräder für Stadterkundungen zur verfügung.

Wer nicht selbst strampeln mag, muss trotzdem nicht aufs umweltfreundliche Fahrrad verzichten, er nimmt einfach ein Velotaxi: Die trainierten Radler bringen ihre Fahrrad-Rikschas samt Gästen sicher ans Ziel. Bis zu 50 Velotaxen fahren im Berliner Betrieb von März bis Oktober 2009 täglich auf vier festen Routen, aber auch – wie andere Taxen – individuelle Strecken.

Berlin mit dem Rad

Berliner Sehenswürdigkeiten mit der Rikscha erkunden - Helmut Millan von BerlinRikschaTours

Radwege und Fahrradrouten in Berlin

Mehr als 1.300 Kilometer fahrradgeeigneter Wege – ein Großteil davon an Tempo-50-Hauptverkehrsstraßen – stehen Radlern laut Berliner Senatsverwaltung für Verkehr und Stadtentwicklung mittlerweile zur Verfügung. Neben baulichen Radwegen sowie Radfahrstreifen auf Fahrbahnen und Gehwegen sind auch 70 Kilometer Bussonderstreifen zur Mitbenutzung für Velo-Fans freigegeben. Zudem wird derzeit eifrig am Ausbau der so genannten Fahrradrouten gearbeitet: Diese verbinden die wichtigsten Orte der Stadt sicher und attraktiv miteinander: Ausgehend vom Schlossplatz im Zentrum werden zwölf Fahrradrouten sternförmig in die Außenbezirke führen, acht weitere Strecken sollen diese Routen miteinander verbinden. Sieben der zwölf Fahrradrouten sind bereits fertiggestellt worden, darunter die 23 Kilometer lange sogenannte Südspange von Dahlem nach Biesdorf und die Hellersdorf-Route von Hoppegarten bis zum Schlossplatz. So entsteht ein weitläufiges, mit Kilometerangaben gekennzeichnetes Streckennetz, das Radler auf Nebenstraßen durch die Stadt führt. So kann man zum Beispiel vom Roten Rathaus über Alexanderplatz und Karl-Marx-Allee mit ihren architektonisch interessanten Stalin-Bauten bis nach Lichtenberg und Marzahn radeln oder der „Studentenroute“ von der Freien Universität im idyllischen Dahlem bis nach Kreuzberg folgen. Der bunte Kreuzberger Kiez rings um Bergmannstraße, Chamissoplatz und Südstern mit seinen vielen kleinen Läden, Kneipen und Cafés lässt sich ebenfalls wunderbar mit dem Rad erkunden.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Berlin (ADFC Berlin) hat einen speziellen Stadtplan für die Berliner Innenstadt herausgegeben. Hilfreich ist der „Fahrrad-Stadtplan Berlin“ vor allem durch die Kennzeichnung der Straßen und Wege hinsichtlich ihrer Fahrradfreundlichkeit. Daneben finden sich auch Tourenvorschläge für touristisch interessierte Berlin-Besucher.

Radtouren – Auf den Spuren der Mauer
Ein spannendes Radler-Handbuch für alle, die sich auf Spurensuche nach der jüngeren Vergangenheit der Hauptstadt begeben wollen, ist der „Berliner Mauer-Radweg“ von Michael Cramer (erschienen im Esterbauer Verlag). „Wo stand eigentlich die Mauer?“ ist heute das Thema, das Berlin-Besucher am meisten interessiert. 20 Jahre nach dem Fall der Mauer sind deren letzte Überreste fast verschwunden. Das Interesse hingegen, sich die alten Grenzen West-Berlins noch einmal zu vergegenwärtigen, ist groß. Cramers Buch stellt 19 Touren entlang des ehemaligen Mauerstreifens vor: kurze Wege für Eilige sind darunter wie die Strecke vom Potsdamer Platz über Kreuzberg und Oberbaumbrücke zur Warschauer Straße (7 Kilometer), aber auch lange Strecken beispielsweise von Staaken nach Hennigsdorf (ca. 20 Kilometer). Das Büchlein liefert aufschlussreiche Beschreibungen der interessantesten Orte und Gebäude entlang der insgesamt 192,5 Kilometer langen Strecke – dabei findet die durch den gleichnamigen Roman und Kinofilm von Thomas Brussig und Leander Haußmann berühmt gewordene Sonnenallee im Bezirk Neukölln besondere Beachtung.

Berlin mit dem Rad

Das Hotel Gates stellt seinen Gästen schicke Citybikes kostenlos zur Verfügung. Foto: Hotel Gates/Jo Neander

Geführte Radtouren auf Deutsch und Englisch

Mittlerweile gibt es in Berlin auch verschiedene Veranstalter für geführte Radtouren, die unter anderem auf Englisch, Spanisch und Niederländisch angeboten werden. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. „Wir haben so viele Dinge neu entdeckt, die wir vom Bus aus gar nicht sehen konnten...“, lautet der begeisterte Kommentar eines Teilnehmers. Tatsächlich dringt kein großer Sightseeing-Bus bis in das alte jüdische Viertel in der Spandauer Vorstadt zwischen Oranienburger Tor und Alexanderplatz vor. Gerade in den kleinen Seitenstraßen gibt es Vieles zu entdecken: Ein alter jüdischer Friedhof hier, ein historisches Gebäude dort, und auf der anderen Straßenseite eine der zahlreichen kleinen Galerien. Beim Radeln bestimmt man das Tempo selbst, Anhalten und Schauen sind jederzeit möglich.

Die fahrradstation und Berlin on Bike haben sich als Anbieter geführter Entdeckungstouren auf den Bezirk Mitte spezialisiert. Unter den Linden, jüdisches Viertel, Hackesche Höfe stehen beispielsweise auf dem Exkursionsprogramm.

Zwar stehen beim ADFC Berlin auch Mauer-Erkundungen auf dem Programm. Der Verein hat sich jedoch – neben der Interessenvertretung und allgemeinen Beratung für Radler – vor allem auf Touren spezialisiert, die sich abseits der bekannten Touristenpfade und auch über Berlins Stadtgrenzen hinaus bewegen. So kann man zum Beispiel von Biesdorf-Süd nach Karlshorst radeln oder sich auf Entdeckungstour durch den alten Stadtteil Friedrichshain begeben. Gemeinsam mit der S-Bahn bringt der Verein jährlich die Broschüre „Rad & Touren“ heraus. Sie ist unter anderem beim ADFC oder der S-Bahn erhältlich und kann auf der Internetseite des ADFC kostenfrei heruntergeladen werden. Mehrere hundert geführte Radtouren – quer durch Berlin, nach Brandenburg und noch viel weiter – werden darin angeboten. Ausgangspunkt sind jeweils S-Bahnhöfe im Berliner Stadtgebiet.

Links

Berlin mit der Rikscha
Die Fahrradstation
Berlin on Bike
Fat Tire Bike
stadtradberlin
ADFC Berlin
Call-a-Bike
Hotel Gates
Fahrrad-Routenplaner (praktisch)
S-Bahninfos


Fahrräder können in den öffentlichen Verkehrsmitteln mitgenommen werden, wenn man für das Fahrrad eine Fahrkarte zum Ermäßigungstarif gelöst hat. Genaue Termine, Beschreibungen der Touren, sowie Bezugsmöglichkeiten des Fahrradstadtplans finden sich auf der ADFC-Homepage. Die ganz besondere Atmosphäre, die Berlin bei Nacht bietet, kann man auf einer Radtour mit Berlin on Bike erleben. Das „Nightseeing“ führt durch eine Stadt, die nie schläft, vorbei an illuminierten Gebäuden, stillen Gewässern und quirligen Szenetreffs. Die Tour startet von Mai bis September mehrmals wöchentlich um 20 Uhr in der Kulturbrauerei/Prenzlauer Berg. An englischsprachige Gäste richten sich die Fat Tire Bike Tours Berlin. Täglich wird hier eine vier- bis fünfstündige Ausfahrt zu den touristischen Highlights angeboten. Unter anderem führt die Strecke an der Topographie des Terrors vorbei zum Checkpoint Charlie, dem Denkmal für die ermordeten Juden Europas sowie zum Brandenburger Tor und dem Reichstag. Ein besonderes Mauer-Sightseeing darf bei Fat Tire Bike Tours ebenso wenig fehlen – die „Berlin Wall & Cold War Bike Tour“ findet von Mai bis September drei Mal wöchentlich statt: Währenddessen gibt’s spezielle Informationen zum Leben in der geteilten Stadt, zur Luftbrücke und zum Mauerfall. Das Besondere an den Ausfahrten sind die Fahrräder. Die Teilnehmer entdecken die Stadt vom breiten, bequemen Sattel eines City Cruiser Bikes aus, das mit breiten Reifen, weit ausgeformten Lenkern, komfortabler Drei-Gang- Schaltung und verlässlichen V-Brakes ein hohes Komfort-Niveau bietet.

Call-a-Bike: Die Deutsche Bahn mit speziellem Angebot
Mit Call-a-Bike bietet die Deutsche Bahn seit 2002 sehr erfolgreich einen besonderen Service für Fahrradfreunde an: Über die Stadt verteilt stellt die DB an großen Kreuzungen, Fernbahn- und S-Bahnhöfen mehr als 1.600 rot-silberne Trekkingräder auf, die für 8 Cent pro Minute ausgeliehen werden können. Ein ganzer Tag mit dem Call-a-Bike kostet 9 Euro. Das Rad kann man an irgendeinem anderen Ort der Stadt wieder abstellen.

Von Reifenpannen und Fahrradschulen: Service rund ums Rad
Platte Reifen und andere Fahrrad-Pannen sind ärgerlich, können aber mit ein wenig Anleitung behoben werden. Der ADFC bietet in seiner Geschäftsstelle regelmäßig Reparaturkurse an. Ein interessantes Angebot für Berlin-Besucher, die längere Zeit in der Stadt bleiben wollen, ist die Möglichkeit, einen Drahtesel für wenig Geld second hand käuflich zu erwerben. Anschließend kann man das Zweirad – wenn nicht mehr benötigt und immer noch in gutem Zustand – erneut an einen Gebrauchtradhändler verkaufen. Nicht erhältlich beim Fahrradhändler ist hingegen eine Kuriosität, die die Fahrradstation parat hält: das Conferencebike, deutsch Konferenz-Fahrrad. Sieben Erwachsene können gleichzeitig auf dem orange-roten Riesenfahrrad Platz nehmen; die Sättel gruppieren sich wie um einen Konferenztisch, ein Radler sitzt in der Mitte und hält den Lenker in der Hand.

Berlin mit dem Rad

Bei der Sternfahrt darf sogar einmal die Berliner AVUS benutzt werden.

Fahrrad-Sternfahrt und 100. Sechs-Tage-Rennen

Ab und an sind selbst in Berlin die Autos abgemeldet, nämlich immer dann, wenn der ADFC zur Radler-Sternfahrt aufruft. Die Veranstaltung ist längst fester Bestandteil des hauptstädtischen Eventkalenders und findet am 6. Juni 2010 statt. Auf 18 Routen – unter anderem von Oranienburg, Strausberg und Erkner kommend – fahren Sportfans zum Großen Stern im Berliner Stadtzentrum. Erstmals gibt es zudem eine sechs Kilometer lange Kinderroute, auf welcher der Radler-Nachwuchs die Berliner Hauptstraßen erkunden kann. Ein anderes Berliner Fahrradgroßereignis ist aus der Stadt ebenfalls nicht mehr weg zu denken: Das berühmte Sechstagerennen, das vom 27. Januar bis 01. Februar 2011 zum 100. Mal stattfindet. Etwa 70.000 Zuschauer sind alljährlich dabei, um ihre Favoriten anzufeuern. Seit 1997 ist das Kräftemessen der schnellsten und besten Radsportler im Berliner Velodrom zuhause, doch die Tradition reicht bis ins Jahr 1909 zurück, als in den Ausstellungshallen des Zoologischen Gartens das erste europäische Sechstagerennen stattfand. Später fand es im legendären, längst in den siebziger Jahren abgerissenen, Berliner Sportpalast in Schöneberg statt.

Berlin mit dem Rad

Call-a-bike-Räder der Deutschen Bahn kann man einfach irgendwo auf der Straße mieten und wieder abstellen.

Programm Rad&Touren 2010

Das aktuelle Programm ist prall gefüllt mit über 650 Touren für Genießer und Sprinter, geführt von den über 70 ADFC-Radtourenleitern. Der ADFC Berlin e.V. präsentierte jetzt die 13. Auflage des Programms Rad&Touren. Es erscheint einmal jährlich in einer Auflage von 100.000 Exemplaren – 2010 in einem Umfang von 112 Seiten im praktischen DIN A5-Format. Das Jahresprogramm Rad&Touren gibt es im ADFC Buch- und Infoladen in der Brunnenstraße 28 in 10119 Berlin-Mitte, in einem der S-Bahn-Servicecenter oder beim Fahrradhändler Ihres Vertrauens. Natürlich können Sie es auch gegen Portoersatz von EUR 1,45 im ADFC Buch- und Infoladen bestellen oder einfach auf www.radundtouren.de klicken.