Der Ortsteil Friedenau
Idylle mitten in Berlin
(be) Als Berliner Vorortsiedlung wurde Friedenau im Jahr 1871 von dem Hamburger Immobilienhändler Johann Anton Wilhelm Carstenn auf dem Geländes des Rittergutes Deutsch-Wilmersdorf gegründet. Um den Friedrich-Wilhelm-Platz herum entstanden Landhäuser für den gehobenen Mittelstand und mehrgeschossige Wohnhäuser. Diese Mischung bestimmt bis heute das Bild Friedenaus.
Idyllischer kann es in Berlin kaum sein, wie an diesem Sonnabendnachmittag in Friedenau. Wir bummeln durch die Niedstraße zwischen Friedrich-Wilhelm-Platz und Breslauer Platz und bewundern Gründerzeithäuser und -villen. Kastanien blühen mit den Blumen in den Vorgärten um die Wette und die Vögel zwitschern vielstimmig dazu. Kaum ein Auto ist unterwegs. Ich habe ebenfalls bis Anfang der achtziger Jahre in der Lauterstraße gewohnt und bin noch beim sonnabendlichen Marktbummel am Rathaus Friedenau Günter Grass begegnet, der viele Jahre in der Niedstraße gelebt hat.
Bei Schriftstellern ist und war Friedenau beliebt. Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller lebt und arbeitet in Friedenau. Und auch Schriftsteller wie Erich Kästner, Uwe Johnson, Erich Halbe und der expressionistische Künstler Schmidt-Rottluff haben hier gelebt. Bekannte Buchhandlungen wie die Nicolaische Buchhandlung oder Wolffs Bücherei haben oder hatten ihren Sitz in Friedenau. Wollfs Bücherei gibt es nicht mehr. Seit dem 23. April 2009 gibt es an derselben Adresse die Buchhandlung "Der Zauberberg".
Persönlichkeiten wie Max Frisch, der bekannte Theaterkritiker Friedrich Luft, der ehemalige Bundespräsident Theodor Heuss, die Künstlerin Hannah Höch und der Lyriker Rainer Maria Rilke lebten in Friedenau. (Foto: Die Grass-Villa)
Friedenau kennen lernen
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Mit der Kunsthistorikerin Vanesa Sigrid Kassel kann man den Bezirk Friedenau im Rahmen einer Stadtführung kennen lernen. Jede Stadtführung bietet einen (ent-)spannenden und anschaulichen Mix aus Architektur - Geschichte - Persönlichkeiten - Kunst - Literatur - und Leben in Berlin. Näheres finden sie unter www.berlin-stadt-rundgang.de Telefon: +49 (0)30 - 381 050 78 |
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Interview mit Stadtführerin Vanesa Sigrid Kassel
Karin Bares, Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin "Kleines Theater"
Interview mit Theaterleiterin Karin Bares
"Kleines Theater" am Südwestkorso
In einem prächtigen Altbau am Südwestkorso ist seit 1973 im ehemaligen Kino „Corso“ das „Kleine Theater“ untergebracht. Neunundneunzig Sitzplätze sorgen in dem kleinen Schauspielhaus fast für eine Wohnzimmeratmosphäre. Karin Bares, seit 2006 Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Kleinen Theaters erzählt mir von den in erster Linie finanziellen Problemen, die sie managen muss, um in dem Theaterkleinod attraktive Stücke anbieten zu können.
Zum Glück wird das Theater auch in Zeiten leerer Kassen noch mit Fördermitteln unterstützt. Qualität und Einzigartigkeit spricht sich herum und so finden Menschen auch aus weit entfernten Bezirken und aus ganz Deutschland, den Weg in die Kiezbühne am Friedenauer Südwestkorso.
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Adresse: Südwestkorso 64; 12161 Friedenau, Berlin; Telefon: 030 8212021
Website: www.kleines-theater.de
Entspannen bei einer kleinen Pause im Cafe im S-Bahnhof Friedenau
Tips für Friedenau
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Traditionsunternehmen Bildgießerei Hermann Noack
Die mit Sicherheit bedeutendste Bronzegießerei Deutschlands, Noack, hat (immer noch) und das seit mehr als einhundert Jahren, ihren Sitz in der Fehlerstraße in Friedenau. Seit der Gründung des Familienunternehmens im Jahr 1897 pflegen die Noacks in vierter Generation engen Kontakt zu den Künstlern, deren Werke sie in ihrer Werkstatt umsetzen. Georg Kolbe, Käthe Kollwitz, Henry Moore, Joseph Beuys und vielen andere vertrauten den überragenden Fähigkeiten der Noacks. Überall im Berliner Stadtgebiet sieht man Skulpturen, die entweder in Friedenau hergestellt oder aber restauriert. Wie zum Beispiel der „Große Kurfürst“ vor dem Charlottenburger Schloss oder die Quadriga auf dem Brandenburger Tor.
Nach so langer Verbundenheit mit dem Bezirk Friedenau muss man verständnisvoll zur Kenntnis nehmen, das die Bildgießerei Noack in Kürze an einen neuen und vor allem größeren Standort nach Charlottenburg umzieht. Die Auftragslage des Unternehmens ist erfreulich gut und am neuen Standort können dann auch neue Konzepte umgesetzt werden. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Idee, nicht nur die Gießerei neu aufzubauen, sondern um das Thema Skulptur ein ganzes Gebiet zu entwickeln.
Realisiert wird von Noack ein Projekt mit umfassender Dimension: Die neue Bildgießerei, Atelierräume, ein Museum für die anspruchsvolle Sammlung von Skulpturen der klassischen Moderne und Zeitgenössischer Kunst, ein Gießereimuseum, eine neue Werkstattgalerie und ein Café gehören dazu. Außerdem wird es einen Skulpturenpark geben. Mit einem Grundstück „Am Spreebord“ ist für die Entwicklung des Projekts ein optimaler Standort gefunden worden. Bis 2010 soll die Unternehmensverlagerung vollzogen sein.
Website der Bildgießerei
Friedenauer Wohnhäuser
Am Grab von Marlene Dietrich
Die Uhrenmanufaktur ASKANIA
(be/presse) Seit 2006 gibt es wieder ein traditionsreiches Unternehmen mehr in Friedenau. Die Askania Uhrenmanufaktur kehrt 135 Jahre nach ihrer Gründung in Berlin-Friedenau wieder zu ihrem Ursprung zurück und in der deutschen Hauptstadt gibt es seitdem wieder eine einzige Uhrenmanufaktur. Der in Ludwigsburg geborene Leonhard R. Müller war von der Geschichte des alten Unternehmens so begeistert, dass er die Marke unbedingt wiederbeleben wollte.
Die Firma blickt auf eine spannende Geschichte zurück: 1871 ruft Carl Bamberg – Sohn eines Uhrmachers und Zögling von Carl Zeiss – eine Manufaktur ins Leben, die ihrer Zeit weit vorauseilende Präzisionsgeräte für Marine, Observatorien, Forschung und Expeditionen herstellt.
ASKANIA wächst dank großer Innovationen und verlässlicher Technik, beschäftigt bis zu 15.000 Mitarbeiter und wird zum bedeutendsten deutschen Unternehmen für Luftfahrtinstrumente. In den 20er bis 40er Jahren gibt es kaum ein Flugzeug ohne ASKANIA Bordinstrumente, auf die man sich bei jedem Wetter, in jeder Situation und zu jeder Tages- und Nachtzeit verlassen kann. Die Bord- und Armbanduhren helfen den Pionieren der Luftfahrt wie etwa dem Freiherrn von Hünefeld oder Elly Beinhorn auf ihren waghalsigen Wegen und gefährlichen Abenteuern und bringen die ersten zivilen Flugreisenden sicher an ihr Ziel. Aber auch Filmkameras werden gebaut und kommen bei den Drehs der großen Filmklassiker zum Einsatz – beispielsweise „Der Blaue Engel“ mit Marlene Dietrich.
Heute möchte die Firma Askania in Berlin und darüber hinaus Kunden ansprechen, die ein Faible für individuelle, mechanische, hochwertige und handgearbeitete Uhren haben. Die Uhrenmodelle tragen in engem Bezug zu Berlin Namen wie Alex, Tempelhof, Quadriga und Berlinale. Und auch an Luftfahrtpioniere wie Elly Beinhorn wird erinnert.
ASKANIA AG, Roennebergstraße 3a, 12161 Berlin-Friedenau
Öffnungszeiten Montag-Samstag 10-16 Uhr, Donnerstag 10-22 Uhr
Website: www.askania-uhren.de
Bildnachweis: Saskia R. Hummel, Becker, Askania



