Kudammbühnen
Demo gegen den Abriss der Kudammbühnen
(be) Die beiden erfolgreichen und historischen Berliner Kudammbühnen „Theater am Kurfürstendamm“ und „Komödie“ sollen abgerissen werden, um dem Umbau des Kudamm-Karrees durch die irische Ballymore Group Platz zu machen.
Gegen den Abriss der beiden Theater demonstrierten am 30. März 2009 auf dem Kurfürstendamm nochmals Theaterfreunde, Politiker und zahlreiche prominente Schauspieler, Musiker und Kabarettisten. Beide Bühnen kommen ohne stattliche Förderung aus, die Komödie begeht in diesem Jahr ihren 85. Geburtstag.
Originaltöne von der Veranstaltung
Die Komödie am Kurfürstendamm
Geschichte der Theater
Aus der langen und wechselvollen Geschichte der Kudammbühnen können wir hier nur einige der wichtigsten Daten erwähnen. Im Jahre 1924 wird durch Max Reinhardt nach Plänen des Architekten Oskar Kaufmann die „Komödie“ gebaut. 1928 übernimmt Reinhardt das „Theater am Kurfürstendamm“ es wird so umgebaut, wie es heute ist. Nur die historische Inneneinrichtung ist natürlich im 2. Weltkrieg zerstört worden.
Die Direktoren des Theaters wechseln in den Jahren bis 1935 häufig, bevor Hans Wölffer, ein junger Operndirigent, das Theater übernimmt. Nach den Wirren der Nazizeit eröffnet das Haus wieder im Jahr 1947. In den fünfziger Jahren treten Stars wie Grete Weiser, Rudolf Platte, Victor de Kowa und viele andere in der Komödie auf und feiern dort große Erfolge. Musicals werden von Hans Wölffer etabliert und nachts wird auch noch Kabarett gespielt. Wolfgang Neuß und Wolfgang Müller gehören zu den Künstlern die dort aufgetreten sind. Auch das „Theater am Kurfürstendamm“ ist äußerst erfolgreich. Die Familie Wölffer bleibt den Kudammbühnen bis heute verbunden, die Söhne Hans Wölffers und später Jürgen Wölffers leiten bis heute das Theater.
Beide Bühnen haben nach äußerst erfolgreichen Jahrzehnten ab Mitte der neunziger Jahre doch mit Problemen zu kämpfen. Ab 2003 wechselt das Kudamm-Karree mehrfach den Besitzer bis es 2007 an den heutigen Besitzer, die Ballymore Properties in Irland geht.
Saal der Komödie Foto: Thomas Grünholz
Die Zukunft
Die Situation um die beiden Theater blieb von 2005 bis Ende 2008 ungeklärt. Im Dezember 2008 verkündet Direktor Martin Wölffer, dass man sich nach langen Verhandlungen mit Ballymore Properties geeinigt habe und es jetzt eine langfristige Perspektive für die Theater gäbe. „Seit rund einem Jahr verhandeln wir mit dem irischen Investor Ballymore Properties über die Zukunft unseres traditionsreichen Theaterstandortes am Kurfürstendamm. Jetzt haben wir im Rahmen einer Neugestaltung des Kudamm-Karrees das Angebot einer Zusammenarbeit angenommen, die uns hilft, unsere aktuell durch die jahrelange Unsicherheit entstandene angespannte Situation zu meistern und auch eine langfristige Perspektive für zumindest ein Logentheater mit 650 Plätzen – ganz im Stile und im Geiste Max Reinhardts und Oskar Kaufmanns gestaltet – am Kurfürstendamm zu sichern.“
Man stehe mit dem Rücken zur Wand, hätte den Abriss der Theater gerne verhindert und müsse nun diesem Kompromiss zustimmen. Mit Bedauern teilt Martin Wölffer in der gleichen Pressemeldung mit, dass sich der Berliner Senat nie klar zum Erhalt der Theater festgelegt habe. Für die zirka dreijährige Bauzeit ist man nun auf der Suche nach einem Ersatzquartier.
Unabhängig von dem geschlossenen Kompromiss demonstrierten am 30. März 2009 Hunderte Berliner Theaterfreunde, Politiker und bekannte Künstler wie Rolf Hochuth, Gabi Decker, Andrej Hermlin, Edith Hanke, Horst Pillau und viele andere vor den Kudammbühnen und forderten, die beiden Theater doch nicht abzureißen. 195.000 Unterschriften für den Erhalt hat der Verein zur Rettung der Kudammbühnen e.V. unter Leitung von Konzertveranstalter Otfried Laur bereits gesammelt.
Die beiden Theater selbstverständlich ausgenommen, macht das Kudamm-Karree sonst einen trostlosen Eindruck, der dringend widerbelebt werden sollte. Die Grünen-Politikerin Franziska Eichstädt-Bohlig beklagte zu Recht in ihrer Ansprache, dass am Kudamm nicht nur der Kommerz regieren dürfe. So darf man gespannt sein, wie ernst die Ballymore Group die hoffentlich sensible Neugestaltung des Areals am Berliner Prachtboulevard meint. Denn das Karree soll das neue Highlight am Kurfürstendamm werden. Im Demofilm auf einer Informationsseite unterscheidet sich das neue Projekt allerdings wenig von vielen anderen Passagen in Berlin. Insgesamt soll eine halbe Milliarde Euro investiert werden.
Der Theaterneubau mit 650 Sitzplätzen wird im ersten Stock liegen und mit modernsten Mitteln ausgestattet sein.




