Nikolaiviertel

Nikolaiviertel

Die Nikolaikirche

Wiedereröffnung der Nikolaikirche

Das älteste erhaltene Berliner Bauwerk, die Nikolaikirche in Berlin Mitte, wurde nach Abschluss umfangreicher Bau- und Erneuerungsarbeiten und damit einhergehender, zweijähriger Schließung am 21. März 2010 wieder der Öffentlichkeit übergeben. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, eröffnete im Rahmen eines Festaktes die Kirche mit ihrer neuen Ausstellung.

Dazu Wowereit: “Mit der Wiedereröffnung der Nikolaikirche und der Eröffnung der ständigen Ausstellung ‚Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze – 800 Jahre Nikolaikirche Berlin’ erhalten die Berlinerinnen und Berliner ein stadtgeschichtliches Juwel zurück. Die Nikolaikirche steht wie kaum ein anderer Ort für eine Gesamt-Berliner Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Sie steht für das Selbstbewusstsein der Berliner Bürger, für ihren Freiheitsanspruch und für ihren politischen Gestaltungswillen.“

Das sakrale Gebäude galt seit der Neuzeit immer auch als ein verlängerter Ratssaal. Durch die Jahrhunderte war die Nikolaikirche für Berlin eine Wiege freiheitlicher und demokratischer Traditionen. Hier wurde 1809 die erste Stadtverordnetenversammlung vereidigt, und 1991 konstituierte sich in der Nikolaikirche das erste fei gewählte Gesamtberliner Abgeordnetenhaus.

Das Stadtmuseum Berlin eröffnet die Nikolaikirche mit einer neuen Dauerausstellung. Gleich vom Eingang aus blickt man jetzt weit in die Kirchenhalle bis zum Chor. Die neue innere Raumgliederung dieses einzigartigen Baudenkmals, insbesondere die veränderte großzügige Eingangssituation, schafft ganz neue Perspektiven und Sichtachsen. Eine eigens konzipierte Beleuchtung unterstreicht die strahlenden Farben und klaren Formen der mittelalterlichen Architektur. Im neuen, handgefertigten Ziegelboden wird der Grundriss des Vorläuferbaus, einer spätromanischen Basilika, sichtbar. Dieses Ausstellungselement ist Bestandteil des geplanten Berliner archäologischen Pfades, der bedeutsame Stätten der mittelalterlichen Doppelstadt Berlin-Cölln verbinden wird.

Nikolaiviertel

© Stadtmuseum Berlin | Nikolaikirche - Foto: Michael Setzpfandt

Mit einer Fülle von herausragenden Originalobjekten steht das Denkmal Nikolaikirche und seine Geschichte im Mittelpunkt der Ausstellung. Viersprachige interaktive Medien erschließen facettenreich die unterschiedlichsten Aspekte der sieben Themeninseln:

Spurensuche – Die frühe Berliner Stadtgeschichte
Vom Feldstein zum Backstein - Die Baugeschichte der Nikolaikirche
Spaziergänge - Das Nikolaiviertel gestern und heute
Weltbekannt – Kirchenlieder aus St. Nikolai
Liturgie im Wandel - Sakrale Kunstwerke und liturgische Geräte
Bestattungskultur im Kirchenraum - Das Pantheon der Berliner
Verloren und wiederentdeckt - Der Münzschatz aus dem Turmknauf

Ein besonderes Highlight ist die sogenannte Beyersche Gruft, das älteste erhaltene „Berliner Zimmer“. Erstmals können Museumsbesucher über steinerne Stufen auf das Bodenniveau der Stadtgründungszeit hinabsteigen und den einzigartigen Münzschatz besichtigen, der durch Berliner Bürger zwischen 1514 und 1734 für den Turmknauf der Nikolaikirche zusammengetragen wurde. An anderer Stelle bietet sich im Umfeld eines Modells des gesamten Nikolaiviertels die Möglichkeit virtueller historischer Spaziergänge. Per Mausklick erlebt man zum Beispiel das Aufsetzen der neuen Turmhelme beim Wiederaufbau in den 1980er-Jahren, oder begibt sich auf Spurensuche nach verlorenen mittelalterlichen Bauwerken. Äußerst detailliert werden die liturgischen Funktionen des Kirchenraums und seiner Ausstattung dargestellt und bis hin zu kleinsten, heute vergessenen Handlungen und Gerätschaften erläutert.

Die Bestattungskultur vergangener Jahrhunderte wird anhand von Epitaphien und Grabbeigaben illustriert, darunter die Kastanien, Kreisel und Murmeln aus den Hosentaschen der Zöglinge eines Waisenhauses, die sie ihrer Gönnerin Rosina Schindler ins Grab warfen. Auch beim virtuellen Blättern in der barocken Leichenpredigt für die wohltätige Bürgersfrau wird Alltagsgeschichte erlebbar.

Kunstvolle, restaurierte Grabdenkmale mit ausdrucksstarker Symbolik entfalten im Kirchenraum eine besondere Wirkung. Diesem über die Jahrhunderte gewachsenen Bestand verdankt die Nikolaikirche ihren Ruf als „Pantheon der Berliner Geschlechter“ und „vornehmste Erinnerungsstätte für die geschichtliche Vergangenheit Berlins“ (Richard Borrmann, 1893). Ein weiterer großer Ausstellungsbereich ist dem berühmten Liederdichter und Nikolaipfarrer Paul Gerhardt gewidmet. „Hinter der Kanzel“, so heißt es in den Kirchenbüchern, sind drei der früh verstorbenen Kinder und die Ehefrau Paul Gerhardts begraben. Schlichte Schriftsteine im neuen Fußboden erinnern daran. Neben der „Paul-Gerhardt-Kanzel“ können sich die Besucher über Leben und Werk des Dichters sowie das historisch-politische Umfeld seines Wirkens informieren. Diese neue Kanzel, ein großartiges Werk des Frühbarocks, wurde aus Fragmenten der ehemaligen Kanzel der Klosterkirche von Restauratoren und Bildschnitzern rekonstruiert. Auf der Orgelempore erwartet den Besucher eine Lounge mit Audio-, Film- und Leseplätzen. Mit hochrangigen Musikbeispielen, Büchern und einem Film zum Wirken Paul Gerhardts ermöglicht dieser Teil der Dauerausstellung ein vertiefendes Studium oder einen ungestörten Kunstgenuss fernab der Großstadthektik.

Die Neueinrichtung der Nikolaikirche des Stadtmuseums Berlin wurde von der Europäischen Union kofinanziert. Die denkmalpflegerisch abgestimmte Gestaltung, die modernisierte technische Infrastruktur sowie die neue Dauerausstellung wurden mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, der Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und in Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt Berlin realisiert.

NEUE ÖFFNUNGSZEITEN: Mo-So: 10 – 18 Uhr | Ostern / 1. Mai / Pfingsten: 10 – 18 Uhr
EINTRITT: 5,00 / erm. 3,00 Euro (inkl. Audioguide) | jeden 1. Mittwoch im Monat Eintritt frei (Audioguide 2,00 Euro) | angemeldete Schulklasse/ Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre Eintritt frei THEMENFÜHRUNGEN: 22.03. – 26.03.2010 | jeweils 14 + 17 Uhr Ticket 3,00 / erm. 2,00 Euro zzgl. Museumseintritt
ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN: Mi: 24.03. + 31.03.2010 | Sa: 27.03. + 03.04.2010 | So: 28.03. + 04.04.2010 jeweils 11 Uhr | Ticket 3,00 / erm. 2,00 Euro zzgl. Museumseintritt
NIKOLAIKIRCHE Nikolaikirchplatz | 10178 Berlin

(Quellen: Stadtmuseum, lpd)

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© Stadtmuseum Berlin | Nikolaikirche - Foto: Michael Setzpfandt





Berlins "Altstadt"

Das Nikolaiviertel liegt in Berlin-Mitte zwischen dem Mühlendamm, der Spandauer Straße und der Rathausstraße am östlichen Ufer der Spree. Es blickt auf eine lange Geschichte zurück. Im Mittelalter befand sich dort einen Handelsstraße, an deren Kreuzung mit der Spree sich die ersten Händler und Handwerker niederließen. Um ca. 1200 wurde die Kirche St. Nikolai fertiggestellt (1264 wurde die Nikolaikirche zu ersten Mal umgebaut). Um die Kirche entwickelte sich eine Siedlung, die in zwei Kernbereiche unterteilt war. 1230 erhielten beide Orte Stadtrechte.

Die größere Siedlung erhielt den Namen Berlin (1244) und lag östlich der Spree, die andere direkt gegenüber gelegene Siedlung wurde Cölln (1237) genannt. Beide Siedlungen wurden zu damaligen Zeiten durch den Mühlendamm verbunden und 1307 zur Stadt Berlin-Cölln ernannt. Im 14. Jahrhundert hat sich Berlin-Cölln der Hanse angeschlossen. Im 18. Jahrhundert wurden die noch heute erhaltenen Gebäude, wie das Knoblauchhaus (das älteste erhaltene Gebäude Berlins überhaupt) und das Ephraim-Palais, gebaut.

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Nikolaiviertel

Im Nikolaiviertel

Die Nikolaikirche und das gesamte Wohngebiet um die Kirche fiel den Bomben und Straßenkämpfen des 2.Weltkriegs zum Opfer. 1959 plante man, das Gebiet des Nikolaiviertels zu einem Hafenbecken für Ausflugsdampfer auf der Spree auszubauen. Für die 750-Jahrfeier, im Jahr 1987, wurde auf dem Brachland von der DDR ein neues attraktives, touristisches Viertel errichtet. Noch erhaltene Gebäude wurden restauriert, neue Gebäude in historischer Form gebaut, das Gasthaus „Zum Nußbaum“, das einst auf der Fischerinsel stand und zerstört wurde, am Nikolaiplatz wieder errichtet, das Ephraim-Palais wurde unter Verwendung von Originalteilen der Fassade um 12 Meter versetzt neu aufgebaut und die Gerichtslaube, als Kopie der Gerichtslaube des alten Berliner Rathauses, als Restaurant errichtet. Die Bepflasterung der engen Gassen entspricht alten Vorbildern und Grundrissen.

Obwohl das Nikolaiviertel mit seinen Stilbrüchen und seiner zusammengewürfelten Architektur nichts authentisches ist, erfreut es sich großer Beliebtheit. Museen, die Gedenkbibliothek, Souvenirläden und Restaurants bieten für jeden Geschmack etwas. Das Viertel gehört bei einem Berlinbesuch zum Pflichtprogramm. (shum)

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Das Traditionslokal "Zum Nußbaum"

JÄHRLICH: Das große Geschichtsfestival

Nikolaiviertel

Zur großen Bilderserie

Interview zur Historiale 2009

Lebendige Geschichte bei der Historiale

Mit Stadt- und Museumsführungen, szenischen Darstellungen und einem historischen Markt im Nikolaiviertel brachte die „Historiale“ Geschichte in die Gegenwart. 2009 ließ Europas größtes Geschichtsfestival die „Kaiserzeit 1871 bis 1918“ lebendig werden, von Bismarcks Sozialgesetzen bis zu Zilles „Milljöh“.

Das Kaiserkino in den Kaiserhöfen
Passend zum Thema „Kaiserzeit und Moderne“ machte die Historiale die Kaiserzeit erstmals auch in bewegten Bildern erlebbar. An zwei Abenden der Historialewoche wurde der gemütliche Berlin Story Salon in ein Kino verwandelt und man hatte die Gelegenheit mehr über das Leben und die Gesellschaft zur Kaiserzeit zu erfahren. Schon Kaiser Wilhelm II. liebte das „neue Medium“ Film und inszenierte seine Auftritte in der Öffentlichkeit medienwirksam.

In dem Dokumentarfilm „Majestät brauchen Sonne“ vom Regisseur Peter Schamoni konnte man in privaten Originalaufnahmen außergewöhnliche Einblicke in das Leben des „Medienkaisers“ erhalten.

Berlin Story Salon
Unter den Linden 26, 10117 Berlin, www.berlinstory.de/salon


Historiale-Markt im Nikolaiviertel - "Kaiserzeit und Zille sein Milljöh"
Der traditionsreiche Historiale-Markt bildete auch 2009 wieder den Höhepunkt der Historiale. In einer spektakulären Eröffnungsparade zogen die drei Kaiserpärchen, begleitet von über 150 Geschichtsdarstellern, Kutschen und Pferden, durch das Brandenburger Tor und von dort aus zum Nikolaiviertel, der Wiege Berlins, zum Historiale-Markt, der in diesem Jahr ganz im Zeichen der Kaiserzeit und „Zille sein Milljöh“ stand.

Geschichte live erleben
Mit über 40 Marktständen präsentierten sich historische Handwerker, Museen und Geschichtsvereine. Berühmte Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm II., Heinrich Zille oder Otto von Bismarck, aber auch Menschen wie Rosa Luxemburg, Minna Cauer oder den berühmten Erfinder Werner von Siemens konnten auf der Bühne im Interview erlebt werden.

Zahlreiche Tanzvorführungen, Musik und Modenschauen sorgten für ein unterhaltsames, abwechslungsreiches Programm. Rosa Luxemburg wurde durch die Schauspielern Regine Seidler dargestellt, die auch die Hauptrolle im Stück „Rosa“ vom GRIPS-Theater hat.

Weitere Informationen: www.historiale.de